Die Auswirkungen der US-Wahlen auf den globalen Weinmarkt
Die Auswirkungen der US-Wahlen auf den globalen Weinmarkt
Die Ortenauer Weinbruderschaft lud am 13. November 2024 zu einem spannenden Vortragsabend mit dem Thema „Die Weinwirtschaft in der EU und in den USA nach den Wahlen – Eine (weinbau-)politische Weinprobe“ in den Winzersaal der WG Zell-Weierbach ein.
Prof. Dr. Eric Schweickert, einer der führenden Experten in der internationalen Weinwirtschaft, war als Referent zu Gast. Die Einführung übernahm Ordenskanzler Klaus-Peter Mungenast vor 45 anwesenden Weinbrüdern und -schwestern sowie einigen Gästen.
Prof. Dr. Schweickert lehrt und forscht an der renommierten Hochschule Geisenheim und ist Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landtags Baden-Württemberg.
In seinem lebhaften Vortrag begann er mit Einblicken in das 520 Hektar große Weingut der Familie Trump in Virginia, bevor er die bedeutendsten Länder in Weinproduktion und -konsum vorstellte. Die USA sind mit rund 34 Mio. Hektoliter der weltweit größte Weinmarkt, während die größten Produzentenländer Frankreich, Italien und Spanien in der EU liegen und zusammen rund die Hälfte der globalen Weinproduktion ausmachen. Doch sinken sowohl Produktion als auch Verbrauch in Europa seit Jahren, was die Lage für europäische Hersteller zunehmend herausfordernd gestaltet. Parallel dazu drängen Länder wie die USA, Südafrika, Australien und Neuseeland stärker auf die Weltmärkte, und Überkapazitäten aus diesen Ländern fluten den internationalen Spotmarkt und erschweren die Situation für europäische Winzer weiter.
Eine Verkostung rundete den Vortrag ab, bei der Prof. Schweickert die unterschiedlichen Weinstile für den amerikanischen und europäischen Markt präsentierte. So betonte er, dass europäische Weingüter in den USA nur erfolgreich sein könnten, wenn sie die lokale Nachfrage nach Weinen mit höherem Restzuckergehalt bedienen. Viele europäische Winzer gehen daher Kooperationen ein oder gründen neue Marken, um den amerikanischen Geschmack zu treffen, ohne den eigenen Stil zu verwässern.

Ein weiteres Thema war die Vermarktung von Alkohol in den USA, die seit dem Ende der Prohibition 1933 von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich geregelt ist. Zahlreiche Monopolhändler kontrollieren den Zugang zum Markt und treiben die Preise nach oben, sodass eine Flasche Wein in den USA oft das Doppelte oder Dreifache des deutschen Preises kostet. Eine mögliche Erhöhung der Zölle auf europäische Weine würde deren Verkauf im größten Weinmarkt der Welt zusätzlich erschweren.
Mit seinem lebendigen und informativen Vortrag gelang es Prof. Dr. Schweickert, den Gästen neue Perspektiven über die regionalen Weinmärkte hinaus aufzuzeigen. Am Ende wurde er mit großem Applaus verabschiedet.
Rudi König, 14.11.2024